Zwischen Elbauen, Rundlingen und großer Geschichte

Das Wendland mit dem Motorrad

Spontan los, einmal durchatmen, Wendland entdecken: Diese Motorradtour verbindet traumhafte Elbstraßen, historische Orte und die einzigartigen Rundlingsdörfer zu einem Roadtrip mit überraschend viel Tiefgang. Zwischen weiter Landschaft, stillen Dörfern und bewegter Geschichte zeigt sich eine Region, die nicht laut sein muss, um lange im Kopf zu bleiben.

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Spontan los: Ein Wochenende an der Elbe

Manchmal braucht es gar nicht viel. Kein großes Reiseziel, keine lange Vorbereitung, kein perfekter Plan. Manchmal reicht ein freies Wochenende, ein gepacktes Motorrad und die Lust, einfach mal loszufahren. Genau so beginnt diese Tour ins Wendland.

Spontan wird das Zelt aufs Motorrad geschnallt, die Koffer werden gepackt und wenig später endet der Tag schon an der Elbe. Weit weg ist das nicht und genau das macht den Reiz aus. Statt langer Anreise gibt es schon am Abend dieses schöne Gefühl von Tapetenwechsel. Der Kocher bruzelt, es gibt Nürnberger Rostbratwürstchen mit Sauerkraut, dazu eine Laugenstange und eine Tomate aus dem heimischen Garten. Mehr braucht es für einen gelungenen Auftakt eigentlich nicht.

Die Nacht ist kalt, aber am nächsten Morgen zeigt sich die Sonne früh. Das Zelt ist schnell verstaut, die Luft noch frisch, und damit ist klar: Das wird ein guter Tag für eine Tour durchs Wendland.

Traumstart in den Elbtalauen

Gleich zu Beginn führt die Route durch einen der schönsten Abschnitte der ganzen Tour: entlang der Elbe durch das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalauen. In der goldenen Morgensonne und zwischen langsam aufziehenden Nebelschwaden liegt diese Landschaft fast unwirklich schön da. Eine Strecke, auf der man automatisch ruhiger wird, langsamer fährt und einfach nur schaut.

Gerade auf dem Motorrad entfaltet so ein Morgen eine besondere Wirkung. Der Blick wandert über Wiesen, Wasser und Auenlandschaft. Mir geht es hier nicht um Tempo, sondern um Atmosphäre.

Wichtig ist dabei allerdings auch ein respektvoller Umgang mit der Region. An Sonn- und Feiertagen sind einige Abschnitte für Motorräder gesperrt. Wer hier unterwegs ist, sollte das in die Tourenplanung einbeziehen auch, damit uns diese besonderen Strecken noch lange erhalten bleiben.

Das Wendland: Eine Region mit eigenem Kopf

Das Wendland liegt im äußersten Osten Niedersachsens und war über lange Zeit mehr als nur eine ländliche Randregion. Historisch war es Grenzraum, geprägt von slawischen Ursprüngen, bäuerlicher Kultur und später von seiner Lage an der innerdeutschen Grenze. Gerade diese Randlage hat der Region einen eigenständigen Charakter gegeben.

Bekannt wurde das Wendland in ganz Deutschland vor allem durch den Widerstand gegen das Atommülllager Gorleben. Doch die Region steht längst nicht nur für Protestgeschichte. Sie steht auch für Entschleunigung, für Gemeinschaft, für kulturelle Eigenständigkeit und für ein Lebensgefühl, das sich nicht so leicht einordnen lässt.

Festung Dömitz: Stein gewordene Grenzgeschichte

Mit der Festung Dömitz taucht auf dieser Tour plötzlich ein Ort auf, der zeigt, wie tief Geschichte in dieser Region verankert ist. Die Anlage entstand um 1565 unter Herzog Johann Albrecht I. von Mecklenburg und wurde als fünfeckige Renaissance-Festung nach italienischem Vorbild errichtet.

Ihre Lage an der Elbe war dabei kein Zufall. Der Fluss war Verkehrsweg, Grenze und strategisch bedeutende Linie zugleich. Die Festung sollte die mecklenburgische Grenze und die Elbübergänge sichern. Heute erinnert sie daran, welche überregionale Bedeutung dieser Raum über Jahrhunderte hatte.

Gerade auf einer Motorradtour sind es oft solche Stopps, die einer Strecke zusätzliche Tiefe geben. Man fährt nicht nur durch Landschaften, sondern auch durch historische Zusammenhänge.

Burg Lenzen: Kleines Museum, große Wirkung

Wenig später wartet mit der Burg Lenzen der nächste lohnende Halt. In der historischen Anlage befinden sich heute ein Hotel, ein Restaurant und ein Besucherzentrum des BUND. Besonders sehenswert ist aber das Museum, das sich der Geschichte und Natur der Region widmet.

Die Ausstellung wirkt liebevoll kuratiert und angenehm lebendig. Nichts wirkt trocken oder beliebig, stattdessen entsteht schnell das Gefühl, wirklich in die Besonderheiten dieses Landstrichs einzutauchen. Und dann ist da noch der Blick vom Turm: Allein dafür lohnt sich der Besuch schon. Mit rund sechs Euro Eintritt ist das Ganze zudem erfreulich bodenständig. So muss ein Zwischenstopp auf Tour eigentlich sein.

Gorleben: Ein Ort, der das Wendland geprägt hat

Mit Gorleben erreicht die Tour einen Ort, dessen Bedeutung weit über das hinausgeht, was man auf den ersten Blick sieht. Unspektakulär im Wald gelegen, wurde das Zwischenlager 1977 als möglicher Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum ausgewählt. Damit wurde das Wendland bundesweit zum Symbol für den Konflikt um Atompolitik, staatliche Entscheidungen und gesellschaftlichen Widerstand.

Über Jahrzehnte wurde der Salzstock Gorleben als möglicher Endlagerstandort erkundet. Die Castor-Transporte machten die Region schließlich zu einem der wichtigsten Protestorte der Bundesrepublik. 2013 wurden die Erkundungsarbeiten beendet, 2020 schied der Salzstock offiziell aus dem Standortauswahlverfahren aus.

Geblieben ist ein Ort, an dem sich bis heute ablesen lässt, wie sehr politische Entscheidungen eine ganze Region prägen können. Wer durchs Wendland reist, begegnet deshalb nicht nur Natur und schönen Dörfern, sondern auch einem Stück deutscher Zeitgeschichte.

Die Rundlingsdörfer: Eine Besonderheit des Wendlands

Eine der auffälligsten und sympathischsten Besonderheiten des Wendlands sind die Rundlingsdörfer. Diese Siedlungsform ist in Deutschland heute fast nur noch hier erhalten. Typisch ist ihre Anlage: Oft führt nur eine Straße hinein und hinaus, während die Häuser mit ihren Giebeln auf einen zentralen Platz ausgerichtet sind.

Viele der Hofgebäude sind klassische Hallenhäuser und stehen heute unter Denkmalschutz. Schon beim Durchfahren merkt man, dass diese Dörfer anders wirken als vieles, was man sonst kennt. Sie sind nicht nur schön anzusehen, sondern erzählen auch viel über die Geschichte der Region.

Lübeln und das Rundlingsmuseum: Geschichte zum Anfassen

Besonders gut erleben lässt sich das in Lübeln. Dort befindet sich nicht nur ein Rundlingsdorf, sondern auch das Rundlingsmuseum Wendland. Und dieses Museum ist weit mehr als eine klassische Ausstellung. Es ist ein ganzes Museumsdorf, in dem die Geschichte der Rundlinge unmittelbar greifbar wird.

Man erfährt viel über Ursprung, Bauweise und Lebenswelt dieser Dörfer, ohne dass das Ganze museal-verstaubt wirkt. Im Gegenteil: Hier ist Geschichte zum Anfassen gemeint. Auch dieser Stopp zeigt, wie lohnend das Wendland für Reisende ist, die unterwegs nicht nur schöne Straßen, sondern auch interessante Inhalte suchen. Wieder liegt der Eintritt bei rund sechs Euro; ein Betrag, den man für so einen Ort wirklich gerne bezahlt.

Besonders faszinierend ist, dass die Rundlingsdörfer trotz vieler Forschung bis heute nicht in allen Details erklärt sind. Zwar gelten sie als gezielt geplante Siedlungen, deren Bewohner ursprünglich überwiegend slawischen Ursprungs waren, und sie werden seit etwa dem 11. Jahrhundert in Quellen erwähnt. Doch warum diese ungewöhnliche Dorfform genau gewählt wurde, ist offenbar bis heute nicht vollständig geklärt. Und vielleicht liegt genau darin ein Teil ihres Charmes. Es ist irgendwie beruhigend, dass es auch heute noch Orte gibt, die nicht restlos erklärt sind.

Jagdschloss Göhrde: Ein stiller, großer Schlusspunkt

Zum Ende der Tour führt der Weg noch zum Jagdschloss Göhrde. Vieles davon wirkt heute verlassen, manches verfällt, und gerade das verleiht dem Ort eine besondere Wirkung. Hinter den alten Mauern steckt eine erstaunlich große Geschichte.

Die Schlossanlage und die umliegenden Ländereien gehen auf den späteren englischen König Georg I. zurück, der hier zwischen 1706 und 1709 eine außergewöhnlich große Anlage errichten ließ. Hier fanden Jagden mit Hunderten Teilnehmern und rund 1000 Pferden statt. Später gingen Schloss und Ländereien an Kaiser Wilhelm II., der hier 1913 zuletzt jagte.

Heute steht man vor einem geschichtsträchtigen Ort, der sich selbst überlassen scheint. Es ist ein stilles Ende für eine Tour, die immer wieder gezeigt hat, wie eng Landschaft, Geschichte und Gegenwart im Wendland miteinander verwoben sind.

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