Rund 480 km mit Zelt und Motorrad unterwegs im Weserbergland

Durch das märchenhafte Weserbergland

Zwei freie Freitage und ein Sontag, ein Motorrad, ein Zelt und eine Region, die wie gemacht ist für entspanntes Kurvenfahren: Das Weserbergland. Zwischen Hannoversch Münden und Minden führen sanfte Straßen durch Fachwerkstädte, vorbei an Schlössern, Burgen, Klippen und immer wieder entlang der Weser. Eine Reise durch märchenhafte Landschaften.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Auftakt an einem besonderen Ort

Der Startpunkt dieser Reise könnte symbolischer kaum sein: Hannoversch Münden, genauer gesagt der Weserstein. Dort, wo Werra und Fulda zusammenfließen und ihren Namen verlieren, entsteht die Weser: Ein Fluss, dem ich durch das Weserbergland folgen möchte.

Auftakt: Drei Tage, eine Region

Hannoversch Münden eignet sich hervorragend zum Ankommen. Die von Werra und Fulda eingerahmte Altstadt mit ihren über 700 Fachwerkhäusern, das Rathaus im Stil der Weserrenaissance und die kurzen Wege laden dazu ein, erst einmal abzusteigen und sich die Beine zu vertreten. Nach der Autobahnanreise gönne hier mir hier noch eine Bratwurst mit Blick aufs Wasser bevor ich die Tour beginne.

Insgesamt stehen mir drei Fahrtage zur Verfügung. Rund 480 Kilometer liegen zwischen Hannoversch Münden im Süden und Minden im Norden genug, um das Weserbergland nicht nur zu durchqueren, sondern wirklich zu erfahren. Das Motorrad ist für mich eh weniger Sportgerät als vielmehr verbindendes Element: Es bringt mich von Ort zu Ort, lässt mich Landschaften wechseln spüren und zwingt zugleich zur Achtsamkeit, gerade wenn das Wetter nicht immer mitspielt.

Am ersten Freitagnachmittag geht es los. Etwa 130 Kilometer stehen auf dem Plan, Ziel ist Bad Karlshafen. Ab Hannoversch Münden übernimmt schnell das, was das Weserbergland ausmacht: leicht geschwungene Straßen, hügeliges Gelände, viel Grün. Kein Hochgebirge, kein Drama – aber genau das Richtige, um in einen Reiserhythmus zu kommen.

Ein früher Stopp folgt im Gasthaus „Zur Fähre“, einem in der Region bekannten Treffpunkt nicht nur für Motorradfahrer. Kaffee, Kuchen und faire Preise dazu die Möglichkeit, die Weser per Gierseilfähre zu queren. Diese Fähren kommen ganz ohne Motor aus und nutzen allein die Strömung des Flusses. Leiser und entschleunigter kann man kaum die Flussseite wechseln: Schade, das die Überfahrt nur so kur ist.

Dass sich viele Orte hier märchenhaft anfühlen, ist kein Zufall. Die Deutsche Märchenstraße, 1975 begründet und rund 600 Kilometer lang, führt ebenfalls durch das Weserbergland. Ein prominenter Halt ist das Dornröschenschloss Sababurg, das sich derzeit allerdings noch im Restaurierungsschlaf befindet. Wenige Kilometer weiter, in Trendelburg, soll Rapunzel der Sage nach gefangen gehalten worden sein ihr Haar lässt mir hier leider niemand herunter.

Für mich immer ein kleines Highlight ist der Weser-Skywalk. Von den Hannoverschen Klippen aus öffnet sich der Blick weit über das Wesertal. Der kurze Fußweg vom Parkplatz lohnt sich in jedem Fall, besonders, da ich das Ziel des Tages bereits von hier sehen kann.

Abend in Bad Karlshafen

Bad Karlshafen selbst ist eine Besonderheit: 1699 von Landgraf Carl von Hessen gegründet, als geplante Handelsstadt, um die Zölle von Hannoversch Münden zu umgehen. Die ersten Bewohner waren Hugenotten aus Frankreich, was dem Ort bis heute ein eigenes Gepräge gibt. Der Stadthafen, inzwischen wieder mit Schleuse ausgestattet, bildet das Herz der barocken Anlage.

Der Campingplatz liegt direkt an der Weser auf der anderen Flussseite. Zelt aufbauen, ein Stiefelbier: Mehr braucht es für nicht um anzukommen. Ohne es zu wissen, bin ich genau an dem Wochenende vor Ort, an dem die traditionelle Weserbeleuchtung stattfindet. Das Feuerwerk hallt zwischen den Hängen wider und verleiht dem Abend eine unerwartete festliche Kulisse. 

Märchenhafte Ruinen

Die Burg Polle stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und ließ hier eine Ruine zurück. Die Deutsche Märchenstraße verortet hier das Zuhause von Aschenputtel. Auch ohne Märchenfigur bietet die Ruine einen großartigen Blick über das Wesertal und einen stimmungsvollen Fotospot.

Die Geschichte des Weserberglandes ist vielschichtig: von frühen Siedlungen in der Jungsteinzeit über die Rolle als Grenzland zwischen Sachsen und Franken bis hin zu den Sachsenkriegen Karls des Großen. Im Mittelalter entstanden zahlreiche Burgen und Klöster, darunter das Kloster Corvey, heute UNESCO-Weltkulturerbe. Später prägte die Weserrenaissance mit ihren reich verzierten Fassaden Städte wie Hameln, Höxter oder Rinteln. All das ist hier nicht museal, sondern Teil der Landschaft.

Abend an der Rühler Schweiz

In Bodenwerder, der Heimat des Lügenbarons Münchhausen, halte ich nur kurz. Ein Regenschauer zwingt mich dazu und so kaufe ich direkt noch für mein Abendessen ein, und der Campingplatz Rühler Schweiz wartet bereits. Wieder liegt das Zelt direkt an der Weser. Einkaufen, kochen, essen: Auch einfache Gerichte schmecken draußen besonders gut. Das Regenradar mahnt zur Eile beim Abendessen. Vielleicht ist ein zusätzliches Tarp beim nächsten Mal keine schlechte Idee, damit ich auch vor dem Zelt vernünftig sitzen kann bei schlechtem Wetter. Wie macht ihr das?

Der nächste Tag beginnt mit Sonne ideal für einen kurzen Ausflug zu den Externsteine im Teutoburger Wald. Die bis zu 40 Meter hohen Sandsteinfelsen wirken fast surreal. Kurzer steiler Treppenaufstieg nach oben für den Ausblick, danach eine Wanderung auf der Blaubeer-Route durch das Naturschutzgebiet. Ein wohltuender Kontrast zum Motorradalltag.

Tourtag 3: Regenfahrt Richtung Norden

Der Sonntagmorgen bleibt zunächst trocken aber wird mich die restliche Tour mit Regen beglücken. Da ich den kommenden Freitag schon verplant bin, fahre ich meinen dritten Tourtag schon heute. Rund 130 Kilometer stehen an, der Regen lässt sich nicht vermeiden. Doch immerhin oder gerade wegen des Regens: wenig Verkehr, ruhige Straßen, viel Raum.

Das Schloss Hämelschenburg, eines der schönsten Beispiele der Weserrenaissance, lasse ich bei dem Wetter links liegen bei dem Wetter. Dabei könnte man hier einige Zeit mit Entdecken verbringen.

In Hameln erzählt die Altstadt von Jahrhunderten Geschichte und der berühmten Sage vom Rattenfänger. Die Bilder im  Video habe ich für euch an einem regenfreien Tag eingefangen. Rinteln erkunde ich nur im Sattel, ein Spaziergang im Regen reizt heute nicht. Auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bleibt ein kurzer Halt. Nass, aber zufrieden, folge ich weiter dem Asphaltband durch das Hinterland.

Passend zum Ende der Tour hört der Regen auf. In Minden wartet noch ein besonderes technisches Bauwerk: das Wasserstraßenkreuz. Hier fließt der Mittellandkanal einfach über die Weser hinweg. Zwar nicht einzigartig aber für mich neu: Sowas habe ich vorher noch nie aus der Nähe gesehen. Ein schöner Schlusspunkt für meine Tour bevor ich über Bundesstraßen nach Hause fahre.

Das Weserbergland ist kein Ziel für Adrenalinjagden. Es ist eine Region für Motorradfahrer, die Landschaft lesen wollen, Geschichte spüren und Freude an flüssigen Straßen haben. Drei Tage reichen aus, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und um den Wunsch zu wecken, wiederzukommen.

Lust auf mehr?

Wie wäre es mit einer Spurensuche in dieser Region und darüber hinaus: Auf den Spuren der Weserrenaissance (1. Teil)